Sie kennen das sicher: Sie sitzen in der U-Bahn, freuen sich auf ihre Zeitung oder ein entspannendes Fünf-Stationen-Nickerchen und sofort beginnt es um Sie herum zu piepsen, bimmeln und schallmeien. Ihnen völlig fremde Menschen schreien für das ganze Abteil verständlich Einkauflisten, Gebrauchsanweisungen für Haushaltsgeräte, Standortangaben oder Intimeres durch Funklöcher, und man fragt sich, ob Vieltelefonierer eigentlich auch zu den sieben Plagen gehörten, die Gott damals den Ägyptern gesandt hatte.
Können Sie sich eigentlich noch erinnern, wie es damals war, ohne aktuelle Handys? Denn obwohl wir uns schon so an Mobiltelefone gewöhnt haben, dass sie aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken sind, ist es kaum zehn Jahre her, dass Handys eine Rarität waren. Begonnen hat der Boom damals mit dem Netz von T-Mobil.
Damals musste man in teilweise abendfüllenden Diskussionen entscheiden, wer am nächsten Tag für den Einkauf zuständig sei, wer die Kinder zum Trompetenunterricht fährt oder den Löwenzahn für das Meerschweinchen rupft. Entzog man sich dieser heute recht unmodernen, direkten Kommunikation, lief man Gefahr, anderntags zwar drei Brote, dafür aber auch ein halb verhungertes Meerschweinchen zu Hause vorzufinden. Oder ein kugelrundes Meerschweinchen und keine Kinder, da diese noch immer mit ihren Instrumentenkoffern auf der Schultreppe warteten … Was war das Leben doch beschwerlich in jener dunklen Zeit vor der allgemeinen Verbreitung des Mobiltelefons, in Fachkreisen auch Prä-Handy-Ära genannt!
Man war gezwungen, Termine nicht nur langfristig zu planen, sondern sie auch noch einzuhalten, war bei Notrufen nicht selten auf die Kraft seiner Lungen angewiesen und musste im Urlaub stinkende Telefonzellen aufsuchen, um mit exorbitant hohen Gebühren der, wie immer sehr gesprächigen, Mutter zu versichern, dass man wohlauf war.
Auch wenn Mobiltelefone in Kino und REM-Phase sehr nervig sein können, sollten wir eines nicht vergessen: Mobilfunk bzw. Handys sind unglaublich praktisch! So praktisch, dass sie sich rasendschnell auf der ganzen Welt verbreiteten und nur noch einige wenige Fortschritts- und Kommunikationsverweigerer freiwillig auf das Mobiltelefon verzichten. Und wenn Sie das nächste Mal in der U-Bahn schlafen oder lesen wollen, dann setzen Sie sich einfach neben die!